Donnerstag, 18. Juni 2015

Tag 1

Donnerstagfrüh, 03:00h, mein Wecker klingelt.
"Was mach ich hier eigentlich? Das ist doch total bescheuert!"
Hinter mir liegen gerade mal knappe vier Stunden "Schlaf" und jetzt soll ich aufstehen, um zu "frühstücken"?
"Ja, da hast Du Dir ja was  vorgenommen. Aber gut, dann steh' ich halt auf."

meine Ramadan- Wecker


Auf leisen Sohlen schleiche ich in die Küche, will mir erstmal Tee kochen. Drehe den Gasherd auf und halte die Flamme an die Platte. Nichts passiert.
"Haha, das ist doch jetzt nicht Dein Ernst? Das ist doch wieder mal so typisch; erster Tag Ramadan, ich stehe extra früh auf, um mich für den Tag zu stärken und die Gasflasche ist leer, natürlich. Dann halt nicht, muss ich wohl mit Wasser frühstücken, gar kein Problem für mich!"
Ich schnibble mir Obst klein, überstreue dieses mit Cornflakes, Crunch- Flocken und Müsli, überkippe alles mit Joghurt und ertränke das Ganze mit Milch. Tadaa, fertig ist mein Meisterwerk.
Motiviert schlürfe ich zurück in mein Zimmer;gegessen wird im Bett.
Resigniert sitze ich da und kaue vor mich hin. und versuche, viel Wasser zu trinken.
Ich höre den Wecker unserer Nachbarn, die nun auch aufstehen. Witziger weise sind wohl auch sie nicht motivierter als ich, denn alles, was ich vernehmen kann, sind Verpackungsgeräusche und die Kühlschranktür, die auf und zu geht; kein Wort wird gesprochen.
Abwechselnd gehen die Lichter wieder aus; erst bei mir und dann die meiner Nachbarn.
Ich vernehme den Ruf des Muezzin, der einem signalisiert, dass das Fasten beginnt und man mit dem Essen aufhören muss.

09:20h, der Wecker klingelt erneut.
Ich stehe auf, mache mich fertig und gehe zur Arbeit.
"Jetzt bin ich aber mal gespannt, ob ich das schaffe; Essen? Könnte nervig werden, aber kein Problem. Beim Trinken (hab mich doch dazu entschieden, zu versuchen, auf das Trinken zu verzichten) hab ich so meine Bedenken."
meine Djellaba; himmelblau und bordeaux
Ich trage meine angefertigte Djellaba, denn im Ramadan hält Mann und Frau sich bedeckter als sonst. Und ich will ja am ersten Tag alles richtig machen.
12:30h, die Kleinen kriegen Essen, die Großen und auch ich nicht. Aber das macht mir nichts aus, auch dass ich bis dahin noch nichts getrunken habe, ist nicht schlimm.
13:30h, ich gehe nach Hause; im Ramadan arbeite ich höchstens bis 15:00h.
Aber was anfangen mit der freien Zeit, wenn man sich nicht in ein Café setzen kann und gemütlich 'nen Saft schlürfen und sich durch die vielfältigen Leckereien probieren kann?
Schlafen. Damit man nicht daran denken muss, einfach aus Langweile zu trinken oder zu essen.
16:30h, "das reicht jetzt, ich kann doch nicht den ganzen Tag schlafen, nur weil ich nichts essen und trinken darf! Aber was mach ich jetzt? Ich könnte joggen gehen, wenn ich damit fertig wäre, würde es eh nur noch eine Stunde dauern, bis ich trinken darf. Dann auf!"
Gedacht, getan, und selbst nach dem Sport, noch immer kein Durst, noch immer kein Hunger.
Zuhause unter die Dusche gehüpft und danach fertig gemacht, um mit Mirjam in die Medina zu gehen, um dort bei einer Schüssel Harira und Datteln, das Fasten zu brechen.

Fastenbrechen
Auf dem Weg in die Medina, bemerken wir eine ganz besondere Sache; die Straßen sind leer gefegt. Niemand ist auf der Straße zu sehen. Sie sind alle zu Hause und warten auf den Ruf des Muezzin, der sie vom Fasten erlöst. Und da ist er auch. Mirjam und ich packendie Wasserflasche aus und nehmen erst einmal kräftige Schlucke, gar nicht mal, weil wir extremen Durst verspüren, jedoch wohlwissend, dass es auf jeden Fall gesund wäre, wieder zu trinken.
Angekommen in der Medina, zeigt sich uns das gleiche Bild, die Läden sind zu und niemand ist auf der sonst so vollen Hauptstraße unterwegs. Wir machen uns auf die Suche nach einer Garküche, die Harira anbietet. Walu Nix! Wir klappern die komplette Stadt ab, nichts zu machen; entweder sind die Küchen geschlossen oder sie haben keine Harira mehr.
Naja, wer hat gesagt, dass wir Ramadanspezialisten sind? Wir brauchen wohl noch ein bisschen Übung, aber die macht ja bekanntlich auch den Meister. Nichts desto trotz haben wir dann noch eine Küche gefunden, wo wir das Fasten, wenn auch etwas verspätet, aber schließlich doch brechen konnten.


Alles in allem war dieser erste Ramadan- Tag erstaunlich einfach zu überstehen. Ich bin mal gespannt, ob das so bleibt oder vielleicht doch irgendwann schwieriger wird.

Jetzt wünsche ich Euch eine gute Nacht, in vier Stunden klingelt schon wieder mein erster Wecker.
Bis morgen dann.

Liebe Grüße,
Belize

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